Muss man sich für gute Umgangsformen verbiegen? Was, wenn die Regeln so gar nicht Ihrem Naturell entsprechen? Wie immer im Leben sind auch Benimmregeln Richtlinien. Nirgendwo steht, dass man diese Regeln Wort für Wort „nachspielen“ muss. Selbst Knigge ging es eigentlich darum, das Miteinander leichter zu gestalten und dazu gehört, dass sich alle Beteiligten wohlfühlen.

Wir haben mal die grundlegenden Unterschiede, am Beispiel der Begrüßung, in 4 „Typen“ unterteilt. Vielleicht finden Sie sich wieder – oder sind Sie eine Kombination?

  1. Der Dynamische
    Er ist pragmatisch – direkt, schnell, nicht zu viel nachdenken. Will er durch die Tür dann geht er, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wer zuerst gehen sollte. Es gibt einen Dresscode? Fein – dann muss er sich keine Gedanken über sein Outfit machen.
    Art der Begrüßung: Zu ihm passt ein kurzes „Hi” oder ein kerniges „Tach”. Er läuft Gefahr jemanden zu übersehen – wenigsten ein kurzes Kopfnicken sollte drin sein.
  2. Der Lockere
    Locker, liebenswert, lustig. Wen interessiert schon der Dresscode? Er schafft es die Atmosphäre mit seiner Offenheit aufzulockern und ist ein beliebter Netzwerker. Fettnäpfchen scheut er nicht – er kommt ja immer wieder raus. Aber Vorsicht: Zu viel jugendliche Unbekümmertheit führt schnell dazu, dass man nicht für voll genommen wird.
    Art der Begrüßung: Ja – man kann auch den Bürgermeister mit einem freundlichen „Hallo“ begrüßen – aber bitte nicht durch den ganzen Raum gerufen! Sonst wird aus dem unbekümmerten Fohlen schnell ein Trampeltier.
  3. Der Natürliche
    Echtheit und Einfühlungsvermögen sind seine Stärken. Er verkleidet sich nicht, nur weil es der Dresscode verlangt. Ein partnerschaftliches Miteinander liegt diesem Typen am Herzen. Zu seinen Stärken gehört es, den Standpunkt anderer verstehen zu können. Doch seine moralischen Ansprüche können auch leicht die gemütliche Atmosphäre zerstören.
    Art der Begrüßung: Er bevorzugt ein „Guten Tag” oder ein regional geprägtes “Moin” oder ähnliches. Mit der Nennung des Namens kann er zusätzlich seine zugewandte Art unterstreichen.
  4. Der Traditionelle
    Der Vernunftmensch. Klare Regeln, Alter und Hierarchie. Verstöße gegen den Dresscode sind für ihn nicht Ausdruck der Persönlichkeit, sondern schlechtes Benehmen. Seine Stärke ist seine sachliche Art. Er redet zwar nicht viel, aber wenn, hat er wirklich etwas zu sagen.
    Art der Begrüßung: Von Jüngeren und Kindern will er zuerst begrüßt werden. Dabei vergisst er jedoch leicht, dass nicht jeder sein Weltbild teilt. Ein freundliches Lächeln ermutigt das Gegenüber zu reagieren.

Wenn Sie sich unter diesen Typen erkannt haben, sind Sie sich ihrer Stärken und Schwächen schon mal bewusst. Wenn Sie sich zusätzlich an drei Grundregeln halten, dann brauchen Sie sich vor keiner Situation zu fürchten:

  1. Seien Sie sich der Konventionen bewusst. Regeln bieten eine Orientierung. Was ist in Ordnung? Was macht mein Gegenüber stutzig? Nur wer die Regeln kennt, kann die Reaktion seiner Mitmenschen richtig einschätzen. Sind Sie sich dieser Regeln bewusst, bleibt immer noch genug Spielraum für individuelle Modifizierungen.
  2. Kennen Sie sich selbst. Sie haben sich ja vielleicht schon unter den oben genannten Typen wiedergefunden. Wenn man seine persönlichen Stolperfallen kennt, kann man Sie auch ganz leicht umgehen – ohne sich dabei zu verbiegen.
  3. Sprechen Sie den Regelbruch an. Gibt es einen guten Grund eine Regel zu brechen, dann wird es für jeden nachvollziehbar. Also lassen Sie es nicht unkommentiert, wenn Sie sich bei großer Hitze als erster das Jackett ausziehen oder als erster mit dem Essen beginnen, weil Ihr Gericht sonst kalt wird. Vielleicht teilt nicht jeder Ihr Verhalten – aber es ist jetzt begründet und nachvollziehbar und nicht einfach nur ein gedankenloser Fauxpas.