In der Warteschlange vor dem Schalter, in engen Flugzeugkabinen, beim Small Talk oder beim zufälligen Treffen auf der Straße: Wer dem Anderen zu nah „auf die Pelle“ rückt, wird sich keine Freunde machen. Doch welches ist eigentlich in welcher Situation der richtige Abstand zum Sitznachbarn oder Gesprächspartner? Der GDIC Business Knigge gibt Antworten:

Ab 50 Zentimetern wird’s intim
So nah lässt man in der Regel nur Familienmitglieder, Freunde oder gute Bekannte an sich heran – für die Umarmung oder einen Kuss auf die Wange. Dringen Unbekannte, Fremde oder geschäftliche Kontakte so weit vor, wird das unter Umständen als „Grenzverletzung“ mit entsprechend negativen Folgen empfunden. Außerhalb Europas sind die Grenzen etwas weicher. Prüfen Sie vorab in welchem Kulturkreis Sie sich aufhalten.

Wer darf mir so nah kommen?
Ärzte, Friseure, Masseure und Personen mit ähnlichen Berufen gehen von Ihrem Einverständnis aus, wenn Sie sich in deren Hände begeben. Haare schneiden oder die medizinische Untersuchung sind schließlich ohne direkten Körperkontakt nicht möglich – das gilt natürlich auch, wenn Sie zum Tanzen auffordern oder aufgefordert werden.

Machtkampf in der Distanzzone
Wenn der Sitznachbar im Flugzeug die komplette Armlehne beansprucht oder Ihnen in der Warteschlange fast auf den Füßen steht, können sich auf diesen nonverbalen Machtkampf einlassen oder das Thema offen ansprechen. Oberste Regel ist auch hier: Bleiben Sie höflich und sachlich.

Entspannte Kommunikation
Die klassische Begrüßung mit Handschlag, die normale Unterhaltung oder der Small Talk spielen sich in der persönlichen Distanzzone ab. Ein Abstand von etwa einem Meter wird meist als angenehm empfunden. Aber natürlich gibt es Situationen, in denen man die „Köpfe zusammenstecken“ und seinem Gegenüber fließend näher kommen will oder muss. Achten Sie auf die Körpersprache des anderen. Vorbeugen bei gesenkter Stimme oder Zurücklehnen mit abgewandtem Blick sind deutliche Hinweis darauf, wie viel Nähe oder Distanz tatsächlich erwünscht ist.

Auf gesellschaftlicher Ebene
Sprechen Sie nur in begründeten Ausnahmefällen andere Menschen an, bevor Sie Blickkontakt mit ihnen aufgenommen haben – anderenfalls müssen Sie mit erschreckten, überraschten oder verwunderten Reaktionen rechnen. Für den klassischen Tagesgruß ohne Handschlag halten Sie dazu mindestens zwei bis drei Meter Distanz und kommen nur näher, wenn Sie durch Worte oder Gesten dazu eingeladen werden. Treffen Sie zum Beispiel Ihren Chef oder einen Kunden auf der Straße oder in der Freizeit warten Sie ab, ob er nach dem Tagesgruß sofort weitergehen oder für einen Small Talk mit Ihnen stehenbleiben möchte. In der gesellschaftlichen Distanz können Sie mit einem freundlichen Blick, einem Lächeln und mit positiven Signalen vermitteln, dass sie ihrem Kontakt wohlgesonnen und aufgeschlossen sind. Auch hier gilt es, sich zunächst bewusst zu machen, in welchem kulturellen Umfeld man sich gerade bewegt.